Bei uns beginnt die Automatisierung des ÖPNV

19.11.2020

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann übergab heute in Stuttgart den Förderbescheid in Höhe von 7 Millionen Euro für ein historisches Forschungsprojekt auf dem Weg zum autonomen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Baden-Württemberg: Ziel des Projektes „Reallabor für den Automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“ – kurz „RABus“ – ist es, die Entwicklung von elektrischen Busshuttles hin zum autonomen Level-4 zu erforschen. In den Reallaboren in Mannheim (Fokus: innerstädtischer Mischverkehr) und Friedrichshafen (Fokus: Überlandbetrieb) soll bis Ende 2023 ein weitgehend wirtschaftlicher ÖPNV-Betrieb mit elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen u.a. mit attraktiven Fahrgeschwindigkeiten erprobt werden.

Das „Reallabor für den Automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“, kurz RABus, ist eine der umgesetzten Maßnahmen der strategischen Landesziele zur automatisierten und vernetzten Mobilität in Baden-Württemberg. Im Rahmen einer feierlichen virtuellen Veranstaltung übergab Baden-Württembergs amtierender Verkehrsminister Winfried Hermann heute den Förderbescheid in Höhe von 7 Millionen Euro an das RABus Konsortium. Dazu zählen das Forschungsinstitut für Kraftwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, die Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH mit der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH sowie die ZF Friedrichshafen AG.

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„Die Förderung macht uns besonders stolz, bestätigt uns und treibt uns entscheidend weiter in Richtung zukunftsweisender Mobilität: Seit 2018 investiert die Stadt Friedrichshafen gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Mittelstand und Industrie in den Aufbau und die Entwicklung eines Testfelds für automatisiertes Fahren. Aus gutem Grund: Die Stadt ist eine Wiege der Mobilitätsgeschichte, ist Konzernsitz der ZF und Zentrum einer Region, die die Mobilität zu Wasser, zu Lande und in der Luft entwickelt und weiterentwickelt“, sagte Andreas Brand, Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen.

Die Entwicklung, Umsetzung und Erprobung eines wirtschaftlichen und zuverlässigen Fahrbetriebs mit automatisierten Fahrzeugen ist von großer Relevanz für die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs. Derzeit sind automatisierte Fahrzeuge im straßengebundenen ÖPNV meist nur mit niedriger Geschwindigkeit unterwegs. Dies führt zu längeren Fahrzeiten und damit zu einer geringeren Akzeptanz und weniger Nutzung. Das zu ändern, ist Ziel des Forschungsprojektes RABus: Mannheim und Friedrichshafen fungieren hierbei – unterstützt von den jeweiligen Verkehrsverbänden – als Reallabore. In beiden Städten soll bis zum Ende des Jahres 2023 ein weitgehend wirtschaftlicher ÖPNV-Betrieb mit elektrifizierten und automatisierten Fahrzeugen etabliert werden. Im Reallabor Mannheim liegt der Schwerpunkt auf dem automatisierten Betrieb im Mischverkehr in einem neuen Stadtquartier; im Reallabor Friedrichshafen dagegen steht der automatisierte Überlandbetrieb im Mittelpunkt der Aktivitäten.
RABus

Um im jeweiligen Umfeld ein angepasstes und gleichzeitig sicheres Fahrverhalten zu erreichen, sollen die Fahrzeuge mit akzeptablen Geschwindigkeiten im regulären Verkehr „mitschwimmen“ können – innerorts wie außerorts. Zum Einsatz kommen hierfür Shuttles von 2getthere, einer Tochter der ZF Friedrichshafen AG. Sie bieten Raum für bis zu 22 Personen und können mit ihren kompakten Maßen von 6 x 2,1 x 2,8 Metern bedarfsorientiert und fahrplanunabhängig in den städtischen Verkehrsfluss integriert werden. „Unsere autonomen Shuttles sind mit elektrischem Antrieb, modernster Sensorik und mit künstlicher Intelligenz versehenen Zentralrechnern ausgestattet. Über speziell für Level 4-Systeme ausgelegte Konnektivitätsdienste können sie zudem mit der Infrastruktur kommunizieren. Wir freuen uns, dass die Shuttles nun erstmals auch in Deutschland im Einsatz sein werden. Der Ansatz des Reallabors in Friedrichshafen ist ein Meilenstein für die urbane Mobilität der Zukunft, da die Anbindung des ländlichen Raums an Stadtzentren künftig sehr wichtig und den On-Demand-Bedarf von den Außenbereichen in Richtung Innenstadt ergänzen wird; so wie wir ihn im Reallabor Mannheim etablieren. Die Shuttles sind mit einem autonomen Fahrsystem, dem „Virtual Driver“ und weiteren Komponenten ausgestattet, die zu einem beträchtlichen Anteil in Baden-Württemberg – hier im ‚Land der Tüftler‘ – entwickelt wurden; und wir sind stolz, einen Beitrag zur Zukunft des ÖPNV leisten zu können“, so Torsten Gollewski, Executive Vice President Autonomous Mobility Systems bei der ZF Friedrichshafen AG.

Über eine Begleitforschung zu Akzeptanz, Wirtschaftlichkeit und technischen Lösungsansätzen ist auch die Wissenschaft intensiv in das Projekt eingebunden. Das Stadtwerk am See ist mit seinem Beteiligungsunternehmen Stadtverkehr Friedrichshafen wesentlicher Partner für das Teilprojekt Friedrichshafen. „Wir bringen das Projekt im wahrsten Sinne ‚auf die Straße‘ und testen die Technologie auf Herz und Nieren. Und das betrifft nicht nur die technischen und betrieblichen Abläufe, die in der Praxis natürlich am besten zu testen sind. Sondern insbesondere auch die Fahrgäste, die die autonomen Busse ja nutzen sollen. Wir werden hier intensiv kommunizieren und sind gespannt, wie die Fahrgäste das Angebot ‚ohne Fahrer‘ annehmen. Das Interesse in der Industrie- und Forschungsstadt Friedrichshafen ist jedenfalls schon heute sehr groß“, erklärt Norbert Schültke, Leiter Mobilität beim Stadtwerk am See.

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Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH

Mobilitätszentrale im Stadtbahnhof Friedrichshafen (Lageplan)

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